June 2, 2014 | Jena/Bratislava | News

Jetzt ist es raus: Klassische Airbags und Gurte im Auto sind tot

Ich bin etwas unter Zeitdruck. Aber Sie können mir helfen und mich ein Stück in Ihrem Auto mitnehmen. Ich muss meinen Wagen aus der Inspektion abholen. Reine Routine. Ah, da ist schon die Werkstatt. Es macht Ihnen doch nichts aus, kurz zu warten?

Geschafft! Sie wollen wissen, ob alles glatt ging? Im Grunde ja, aber der Meister sagte, er habe die Airbags und Gurte ausbauen lassen. Der Wartungsaufwand sei zu hoch. Aber das gefährdet doch die Sicherheit, entgegnete ich leicht verängstigt. Das sei bei dem Wagen, mit der Leistung nicht notwendig. Studien hätten ergeben, dass bei mehr als 200 km/h Aufprallgeschwindigkeit auf den Gegenverkehr oder eine Hauswand trotz Airbag und Gurt der Tod einträte. Die Fachwerkstatt als Teil eines internationalen Automobilkonzerns wolle sich zukünftig mehr auf ihr Kerngeschäft, nämlich die Reparatur von Schäden konzentrieren. Dafür spare ich bei der Anschaffung des fahrenden Untersatzes schließlich auch eine Menge Geld.



Was sagen Sie, dass sei so, als ob Werften beim Bau von Überseefähren oder Kreuzfahrtschiffen auf Schwimmwesten und Rettungsboote verzichten, weil man ja im Ozean schwimmend per Smartphone den Rettungsdienst alarmieren könne und per GPS selbst im Bermudadreieck geortet werden könne? Das ist ein sehr gutes Beispiel. Ich kann es immer noch nicht glauben. Bin ich als Kunde dem Hersteller eigentlich völlig egal? Was sagen Sie denn als Betriebswirtschaftler zu dieser Argumentation?

Ach, sie meinen aus der Sicht des Return on Investment unter all den Sachzwängen, die auf ein Unternehmen wirken, muss man die gewinnträchtigen Bereiche wie Services stärken und Profitkiller wie Forschung und Entwicklung in all den Segmenten, die kaum etwas abwerfen, möglichst gering halten oder vom Staat fördern lassen? Ja, das klingt ökonomisch vernünftig, zumindest basal strukturierte Controller würden frohlocken. Aber ist der dadurch erzielte Gewinn es wert, mein Vertrauen in die Intelligenz des Herstellers zu verlieren? Ist der Imageschaden eigentlich jemals wieder wett zu machen? Sie sagen Nein? Na das beruhigt mich.

Ich muss Ihnen ein Geständnis machen: Das mit dem Auto war glatt gelogen. Sie haben sich das auch nicht vorstellen können, da allerdings liegen Sie falsch:

Der Vizepräsident für Computersicherheit des Konzerns, bei dem wir die Sicherheitssysteme für Server und Clients eingekauft haben und den wir dafür jährlich fürstlich entlohnen, hat gegenüber dem Wall Street Journal kommerzielle Antivirus-Software als "tot" bezeichnet. "Wir sehen Antivirus nicht mehr als gewinnträchtig an", tönte er. Sein Unternehmen wolle sich jetzt auf Schadenbegrenzung konzentrieren und Firmen beim Umgang mit Hacker-Angriffen helfen. Der Schwerpunkt soll sich auf die Analyse nach einem Angriff verlagern, um die Firmennetze so besser abzuhärten. Die Hacker kämen ja ohnehin ins System.

Wir sehen uns nun wohl mit Sicherheit nach einem anderen Anbieter um und den rufen wir dann auch an, wenn „Schaden begrenzt werden muss“.