März 3, 2014 | Jena/Bratislava | News

Bill Gates hat nichts zu verschenken

Gewinne nur bei Vorkasse

Viele Anwender kennen die „beliebte“ Masche des Vorkassen-Betrugs. Das sogenannte Nigeria-414 verspricht ihnen per E-Mail zunächst eine hohe Geldsumme. Um das Geld zu erhalten, müssen die späteren Opfer aber die Kosten für die Geldfreigabe und die Transaktion tragen. Die Überweisung eines kleinen Betrags ist obligatorisch. Obwohl es unzählige Artikel über solche Betrugsversuche auf WeLiveSecurity.com gibt, fallen Anwender immer wieder auf diese Tricks herein – vor allem in Zeiten finanzieller Engpässe.

Post von Bill „Gate“

Als vor kurzem gemeldet wurde, dass Satya Nadella die Nachfolge von Steve Ballmers als CEO bei Microsoft antreten wird, witterten Cyberkriminelle ihre Chance. Schnell wurde der „Staub“ vom guten alten Microsoft Lotto-Betrugs abgeklopft und neu aufgemotzt. Die Opfer waren schnell ausgemacht: Ziel sollten die Französisch sprechenden Internetnutzer sein. In einer ansprechend formatierten E-Mail wurden sie über einen angeblichen Gewinn von 250.000 Euro informiert.

 

Um das Geld zu erhalten, müsse man natürlich diverse Details über sich preisgeben.

 

 

Und um den Preis seriös wirken zu lassen, wurde eine Kopie des Gewinn-Tickets mitgeschickt.

 

 

Fehler über Fehler

Schon beim ersten genauen Blick fallen peinliche Ungereimtheiten auf.

  1. Bill Gates wurde gleich doppelt falsch geschrieben („Gate“). Zudem heißt es richtig „sponsored“ und nicht  „Sponsord“.
  2. Interessanterweise erscheint die Losnummer nirgends auf dem Gewinn-Ticket.

  3. Sowohl der Barcode als auch die Nummer darunter beziehen sich ebenso wenig auf irgendetwas.
  4. Die Adresse der „Bill Gate Foundation“ – der richtige Name der Stiftung lautet übrigens „Bill and Melinda Gates Foundation” – ist dem Gewinn-Ticket zufolge:
    215 Park Avenue South
    New York, NY 10003

    Bei einem Blick auf die Webseite der „Bill and Melinda Gates Foundation” erkennt man schnell, dass unter dieser Adresse kein Büro der Stiftung zu finden ist. Vielmehr findet man dort eine Apotheke vor.
  5. Im Text der E-Mail wird der Empfänger aufgefordert, alle Informationen an die folgende Adresse zu senden:
    Email: me.micheltanoh@one.co.il
    Hierbei handelt es sich um eine E-Mail-Adresse von einer Sportseite in Israel.
  6. Alternativ stehen „Me Micheltanoh” oder „Micheltanoh Me“ per Telefon zur Verfügung: Tel: (+223) 72 22 41 64

Dummerweise besitzt New York einige Ortsvorwahlen, aber keine von ihnen lautet 223. Diese Vorwahl existiert nirgendwo in den USA. Das + am Anfang deutet darauf hin, dass es eine internationale Nummer ist. Tatsächlich landet man mit ihr auf Mali.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich also Folgendes sagen: Sie haben von einer amerikanischen Stiftung einen Preis gewonnen, der in Euro ausgezahlt wird. Die Stiftung befindet sich in einer Apotheke in New York, welche aber kein offizielles Büro ist. Die Kontaktperson hat eine israelische E-Mail-Adresse auf einer Sportseite und gleichzeitig eine Telefonnummer auf Mali. Zusätzlich weist das Gewinn-Ticket einige Unregelmäßigkeiten auf. Obwohl nach dieser relativ simplen Prüfung schnell deutlich wird, dass es sich hierbei nur um einen Trick handeln kann, lassen sich viele Leute von dem Geld blenden und fallen darauf herein.


Wenn es zu schön ist, um wahr zu sein, ist es in der Regel auch nicht wahr. Vor allem, wenn man im Lotto gewinnt, ohne überhaupt gespielt zu haben.