Kontaktloses Bezahlen gehört in vielen Ländern längst zum Alltag. Es vereinfacht den Bezahlvorgang und macht Bargeld, PIN-Eingaben oder den Gang zum Geldautomaten oft überflüssig. Entsprechend beliebt ist die Technologie: Beispielweise wurden 76 Prozent aller Debitkarten-Transaktionen in Großbritannien im Dezember 2025 kontaktlos durchgeführt.
Möglich macht das RFID (Radio Frequency Identification), eine drahtlose Technologie, bei der Kredit- und Debitkarten weltweit mit einem Chip und einer Antenne ausgestattet werden. RFID hat längst weit mehr verändert als nur den morgendlichen Kaffee- und Croissant-Kauf. Die Technik steckt heute in Zutrittskarten für Büros und Hotels, Bibliothekssystemen, Lieferketten-Tracking, Diebstahlschutz im Einzelhandel sowie in schlüssellosen Fahrzeugzugängen und Startsystemen.
Allen Beispielen gemeinsam ist: RFID wird häufig genutzt, um auf etwas mit realem Wert zuzugreifen oder es freizugeben. Ob Bankkonto, ÖPNV-Ticket, Hotelzimmer oder Neuwagen – all diese Systeme senden Daten per Funk in die Umgebung. Das klingt zunächst beunruhigend, oder? Ja und Nein.
Laut dem Annual Fraud Report 2025 von UK Finance, dem britischen Branchenverband für Banken und Finanzdienstleister, machte kontaktloser Betrug über RFID im Jahr 2024 lediglich sieben Prozent aller Betrugsverluste bei Kartenzahlungen im stationären Handel in Großbritannien aus.
In diesem Artikel sehen wir uns an, was RFID eigentlich ist, wie Angreifer die Technologie missbrauchen könnten, wie man sich und RFID-basierte Systeme schützt und warum das tatsächliche Risiko für die meisten Menschen geringer ist, als oft angenommen wird.
Die wichtigsten Punkte in diesem Artikel
- RFID-Blocking verhindert, dass Angreifer Daten von RFID-Tags auslesen, wie sie in Zahlungskarten, Zutrittskarten, ÖPNV-Tickets oder anderen RFID-Geräten verwendet werden.
- Das Auslesen von Zahlungsdaten kontaktloser Karten per RFID gilt bislang nicht als realistische Bedrohung.
- Andere RFID-Anwendungen wie schlüssellose Fahrzeugzugänge sind dagegen anfällig für Relay-Angriffe, mit denen Autos gestohlen werden können. Für Autoschlüssel mit Funkfunktion ist RFID-Blocking daher sinnvoll.
- RFID-Blocking kann das Risiko reduzieren, dass Daten oder Identitäten gestohlen, Bewegungsprofile erstellt oder Produktions- und Lieferketten manipuliert werden. Einen hundertprozentigen Schutz gibt es aber nicht.
- Gestohlen oder geklont werden können unter anderem Bankdaten, Zutrittskarten für Gebäude oder Zimmer sowie Fahrkarten für den öffentlichen Nahverkehr.
- Selbst wenn Angreifer Kartennummer und Ablaufdatum auslesen könnten, lassen sich PIN oder CVV-Nummer damit nicht erfassen. Deutlich realistischer ist das Kopieren von Zutrittskarten, um Gebäude oder Räume unbefugt zu betreten.
- Beim Diebstahl von Kartendaten sind Social Engineering, Phishing oder Malware weitaus wahrscheinlichere Angriffswege als RFID-Skimming.
- Wer sich schützen möchte, kann Zahlungskarten in einem Wallet oder einer Hülle aufbewahren, die als Faraday-Käfig fungiert. Auch das ist jedoch kein perfekter Schutz. Zusätzlich sollten ungewöhnliche Transaktionen regelmäßig kontrolliert werden.
- Es gibt sowohl aktive als auch passive Produkte gegen RFID-Skimming. Viele Schutzmaßnahmen lassen sich aber auch ohne zusätzliche Hardware umsetzen.
Was ist RFID und wie funktioniert es?
RFID nutzt elektromagnetische Felder beziehungsweise Funkwellen, um Daten zwischen einem Transponder – etwa einer Karte – und einem Lesegerät auszutauschen, beispielsweise einem NFC-fähigen Smartphone oder einem Autoschlüssel. Transponder werden oft auch als „Tags“ bezeichnet. Es gibt passive und aktive Varianten. Beide erfüllen denselben Zweck: Wird der Tag von einem Lesegerät aktiviert, überträgt er Daten auf sichere Weise an den Reader. Vereinfacht gesagt funktioniert der RFID-Reader wie ein Schlüssel, der eine verschlossene Datenbox im Chip des Transponders öffnet.
Passive RFID-Tags begegnen uns im Alltag am häufigsten. Sie stecken in Kredit- und Debitkarten, Hotelkarten oder Zutrittssystemen in Unternehmen. Statt einer Batterie nutzen sie die elektromagnetische Energie des Lesegeräts. Eine extrem dünne Antenne im Karteninneren sammelt diese Energie und versorgt damit kurzzeitig einen stromsparenden Chip, damit Daten übertragen werden können. So bleibt der Tag klein genug, um in eine gewöhnliche Zahlungskarte integriert zu werden.
Wer sehen möchte, wie das im Inneren aussieht, kann eine alte Karte in Aceton auflösen, handelsüblicher Nagellackentferner reicht dafür aus. Nach einiger Zeit werden Chip und Antenne sichtbar. Technik-Enthusiasten machen das mit Londons Oyster-Karten bereits seit mindestens 2008: http://www.skeptobot.com/2008/05/time-lapse-vid-of-dissolving-oyster.html
Die meisten passiven Tags werden nur in unmittelbarer Nähe eines Lesegeräts aktiviert, typischerweise in einem Abstand von vier bis zehn Zentimetern.
Aktive und semiaktive Tags verfügen dagegen über eine eigene Stromversorgung. Sie werden häufig im gewerblichen Umfeld genutzt, etwa zur Verfolgung von Fahrzeugen, Mitarbeitenden oder hochwertigen Waren. Ein bekanntes Beispiel sind automatische Mautsysteme wie das französische Télépéage. Fahrzeuge können dabei mit bis zu 30 km/h an die Schranke heranfahren, ohne anzuhalten. Neuere UHF-RFID-Systeme ersetzen diese Technik allerdings zunehmend.
Auch Smartphones sind RFID-fähig, denn NFC (Near Field Communication) basiert auf RFID-Technologie. Deshalb lassen sich sowohl Apple- als auch Android-Geräte als digitale Geldbörse nutzen.
Verfügt meine Kreditkarte über einen RFID-Chip?
Höchstwahrscheinlich sind in Ihrer Zahlungskarte ein RFID-Chip und eine Antenne integriert, wenn sie nach 2015 hergestellt wurde. Ein visueller Hinweis ist das Symbol für kontaktlose EMV-Zahlungen, das aus vier geschwungenen Linien besteht, die dem universellen Logo für Wi-Fi ähneln, oft mit einer Strichzeichnung einer Hand, die eine Karte hält. Wenn dieses Symbol nicht auf der Karte zu sehen ist, verfügt sie wahrscheinlich nicht über RFID, aber fragen Sie bei Ihrem Kartenaussteller nach, um sicherzugehen.
Der RFID-Chip ist meist nur ein Bestandteil moderner Karten. Zusätzlich besitzen viele Karten weiterhin den goldfarbenen Kontaktchip für Chip-und-PIN-Terminals sowie einen Magnetstreifen auf der Rückseite. Manche Kreditkarten tragen sogar noch die geprägten Kartennummern, die früher für Kohledurchschläge bei manuellen Zahlungen verwendet wurden.
Was ist RFID-Skimming und welche Daten und welche Daten lassen sich damit stehlen?
RFID hat Schwachstellen. Komfort geht oft zulasten der Sicherheit, in diesem Fall in Form von RFID-Skimming. Dabei handelt es sich um elektronischen Datendiebstahl, bei dem Angreifer Informationen von RFID-Geräten auslesen, ohne dass Besitzer davon etwas bemerken.
Dafür gibt es verschiedene Methoden: Angreifer können die Sendeleistung eines Readers erhöhen oder sogenannte Relay-Angriffe einsetzen, um Tags aus größerer Entfernung auszulesen.
Die Schlussfolgerung liegt nahe, dass Angreifer mit kopierten RFID-Daten direkt Bankkonten leerräumen könnten. Tatsächlich ist dieses Risiko im Vergleich zu anderen Betrugsarten jedoch sehr gering. Insbesondere im Vergleich zu Angriffen, bei denen Täter nicht einmal physisch in der Nähe ihrer Opfer sein müssen.
Geldatomaten-Skimming („ATM-Skimming“), Shoulder Surfing und Social-Engineering-Angriffe wie das Abfangen von Ersatzkarten oder PIN-Briefen sind deutlich verbreiteter. Noch häufiger sind allerdings Phishing, Malware und andere Cyberangriffe auf Bankzugänge.
Außerdem bestehen kontaktlose Zahlungskarten nicht nur aus RFID-Chips. RFID beschreibt lediglich die Übertragungstechnik und die zugrunde liegende Hardware. Die eigentlichen Zahlungsdaten sind zusätzlich verschlüsselt. Dabei wird für jede Transaktion ein neuer kryptografischer Wert erzeugt, dazu später mehr.
Was machen RFID-Zahlungskarten, wenn sie von einem RFID-Lesegerät erfasst werden?
Die von einer RFID-Karte übermittelten Daten sind teilweise verschlüsselt. Ältere Standards waren zwar nicht verschlüsselt und konnten das Ablaufdatum und die Nummer der Karte preisgeben, aber sie übermittelten weder den Namen des Kontoinhabers noch - was noch wichtiger ist - die CVV- oder CVC-Nummern, die "zusätzlichen" Zahlen, die Sie bei telefonischen oder Online-Zahlungen angeben müssen. Eine weitere Information, die nicht weitergegeben wird, ist Ihr PIN-Code. Angreifer können eine Karte nicht einfach mit einem RFID-Lesegerät klonen und damit Bargeld an einem Geldautomaten abheben. Außerdem gibt es weitaus einfachere und risikoärmere Methoden, um Kartendaten abzuschöpfen und die PIN-Eingabe zu beobachten, die schon seit Jahren bekannt sind. Das FBI schätzt, dass der Betrug durch Skimming an Geldautomaten Verbraucher und Banken in den USA jährlich mehr als 1 Milliarde US-Dollar kostet.
Was Folgen hätte RFID-Skimming wirklich?
Erstens: Erfolgreiche Angreifer könnten damit keine Online-Einkäufe durchführen. In Europa schreibt die PSD2-Richtlinie für Kartenzahlungen im Internet eine zusätzliche Authentifizierung vor, etwa per CVV/CVC oder Banking-App.
Zweitens: Moderne kontaktlose Karten erzeugen für jede Zahlung einen individuellen Code, ein sogenanntes Kryptogramm. Jede Transaktion verwendet einen neuen Wert, der vom Kartenanbieter überprüft wird. Selbst wenn Angreifer Daten abfangen könnten, wäre das kopierte Kryptogramm nur für genau diese eine Zahlung gültig und danach wertlos. Wer tiefer in die technischen Details einsteigen möchte, findet einen guten Einstieg in den EMV-Co-Spezifikationen für kontaktlose Chips.
Theoretisch könnten Angreifer bei sehr alten Karten genug Informationen auslesen, um eine einzelne kontaktlose Zahlung unterhalb des Limits auszuführen. Für Kriminelle wäre das allerdings ein enormer Aufwand und ein großes persönliches Risiko mit vergleichsweise geringem Ertrag.
Anders gesagt: Selbst wenn RFID-Skimming bei kontaktlosen Karten technisch möglich sein kann, gibt es deutlich einfachere, schnellere und risikoärmere Methoden für Betrug.
Wie real ist das Risiko? Was die Zahlen zeigen
Was Debit- und Kreditkarten mit RFID-Chips betrifft, so liefert UK Finance dazu konkrete Daten. Kontaktloser Betrug verursachte im Jahr 2024 Schäden von 41,1 Millionen Pfund. Diese Zahl braucht allerdings Kontext:
1. 74 Prozent aller Kartentransaktionen im Vereinigten Königreich waren zu diesem Zeitpunkt kontaktlos, und der Betrug ging um 1 Prozent zurück.
2. Der Großteil kontaktlosen Betrugs basiert auf gestohlenen physischen Karten, die anschließend für kontaktlose Zahlungen genutzt werden.
Laut UK Finance entfielen auf jeweils 100 Pfund kontaktloser Zahlungen nur 1,3 Pence Betrug. Beim gesamten Kartenbetrug lag der Wert bei 6 Pence. Wie viel davon tatsächlich auf drahtloses Skimming zurückgeht, ist unklar. UK Finance erfasst diese Fälle nicht separat, da bislang keine relevanten Angriffswellen beobachtet wurden.
Forscher konnten zwar theoretische Angriffe auf ältere Karten ohne dynamische Kryptogramme demonstrieren, moderne EMV-Karten gelten jedoch als deutlich robuster. Auch Tools wie der Flipper Zero erleichtern heute das Auslesen von RFID-Daten: https://docs.flipper.net/zero/rfid. Allerdings erhalten Angreifer damit nur die Daten, die der Chip überhaupt preisgibt. Bei modernen EMV-Karten reicht das laut einem Sicherheitsforscher von Lendable nicht aus, um größeren Schaden anzurichten: https://careers.lendable.com/blog/articles/hacking-my-credit-card-flipper-zero-separating-fact-from-fiction
Was ist RFID-Blocking, und wie funktioniert es?
Der wirksamste Schutz gegen unerlaubtes Auslesen besteht darin, die Funkwellen zu blockieren, die passive RFID-Tags aktivieren. Dafür wird das RFID-Gerät (beispielsweise bei Karten oder Autoschlüsseln) in einem sogenannten Faraday-Käfig abgeschirmt.
Faraday-Käfige bestehen aus leitfähigem Material. Elektromagnetische Wellen verteilen sich auf der Oberfläche des Materials und gelangen nicht ins Innere. Dadurch kann der RFID-Chip nicht aktiviert werden. Das simpelste Beispiel ist Alufolie. Wer Karten vollständig in Küchenfolie einwickelt, erzeugt damit tatsächlich einen Faraday-Käfig. Allerdings reduzieren Falten oder kleine Öffnungen die Schutzwirkung deutlich.
Es gibt zahlreiche Produkte, die RFID-Geräte effektiv abschirmen. Verwendet werden Metallgewebe, Metallplatten oder Carbonfasern. Wichtig ist, dass die Karte vollständig umschlossen wird. Außerdem kann die Schutzwirkung mit der Zeit nachlassen, wenn das Material beschädigt wird.
Die gute Nachricht: Viele dieser Produkte sind vergleichsweise günstig.
RFID-Sperrung vs. NFC-Sperrung: Gibt es einen Unterschied?
Es gibt keinen praktischen Unterschied, wenn es um das Blockieren von RFID- und NFC-Signalen geht. Denken Sie daran, dass NFC eine Untergruppe der RFID-Technologie ist und beide mit einer Frequenz von 13,56 MHz arbeiten, obwohl RFID in einem breiteren Spektrum arbeiten kann.
Wann kann RFID-Blockierung eine Überlegung wert sein?
Trennen wir einmal das Transportmedium - RFID - vom Anwendungsfall. RFID-Signale können abgefangen werden. Die Funktionsweise moderner kontaktloser Zahlungskarten bedeutet jedoch, dass die Daten, die Angreifer von den Karten lesen können, für sie praktisch nutzlos sind. Das wird andere Kartenbetrugsangriffe nicht aufhalten, die viel einfacher und effektiver sind. Während die Zahlungsverkehrsbranche große Anstrengungen unternimmt, um das kontaktlose Bezahlen sicher zu machen, ist dies bei anderen RFID-Anwendungen weniger der Fall, so dass eine RFID-Blockierung in Betracht gezogen werden sollte.
Autobesitzer mit schlüssellosen Transpondern sollten diese in Faradayschen Käfigen aufbewahren, wenn sie nicht in Gebrauch sind, da sie Gegenstand von Relais-Angriffen sein können, bei denen die Angreifer ein Gerät verwenden, um die Reichweite des Transponders zu erfassen und zu verstärken, damit sie das Auto stehlen können. Ein geklontes oder weitergeleitetes RFID-Signal vom Schlüsselanhänger eines hochwertigen Fahrzeugs ermöglicht es einem Angreifer, ein Auto in Sekundenschnelle zu stehlen und zu entwenden, ohne jemals physischen Zugriff auf den Schlüssel zu haben. Im Vereinigten Königreich wurde diese Methode bereits eingesetzt, um Autos aus Einfahrten zu stehlen, während sich der Schlüsselanhänger im Haus des Besitzers befand.
Im Fall einer organisierten Verbrechergruppe, die im Jahr 2024 in Südengland operierte, bedeutete dies, dass in acht Monaten 40 Autos im Wert von 500.000 Pfund gestohlen wurden. Wenn Sie ein schlüsselloses Zugangs- und Startsystem für Ihr Auto haben, das mit einem kabellosen Schlüsselanhänger ausgestattet ist, ist es wahrscheinlich eine gute Idee, die Schlüsselanhänger in einem Faradayschen Käfig aufzubewahren, bis sie benutzt werden müssen.
Erinnern Sie sich an das Télépéage-Beispiel für RFID-Tags mit größerer Reichweite? Während in Europa sowohl passive als auch semiaktive RFID-Etiketten für die reibungslose Zahlung von Autobahngebühren eingesetzt werden, verwenden die USA RFID auch für Reisepasskarten. Diese sollen es den Inhabern von US-Reisepässen ermöglichen, ihre Daten beim Passieren der Landesgrenzen der Vereinigten Staaten aus ihrem Fahrzeug auszulesen.
Unternehmensausweise für Mitarbeiter, die ältere RFID-Standards wie MIFARE verwenden, sind anfällig und sollten von den Unternehmen, die sie verwenden, ersetzt werden.
Für Personen, die ein erhöhtes Sicherheitsbewusstsein haben, wie z. B. Aktivisten, Journalisten und andere, die damit rechnen müssen, dass sie überwacht werden, sollte eine RFID-Sperre für alle RFID-fähigen Gegenstände in Betracht gezogen werden, da es unter Umständen möglich ist, Personen anhand der von ihnen getragenen RFID-Tags zu verfolgen.
Die Bedrohungen, die Ihre Karte tatsächlich in Gefahr bringen
Die RFID-Blocking schützt vor einer kleinen Teilmenge von etwa 7 Prozent der Betrugsfälle, bei denen eine kontaktlose Karte verwendet wird, wobei ein Großteil davon auf einen physischen Kartendiebstahl zurückzuführen ist. Betrachten wir nun die anderen 93 Prozent:
- Card Not Present (CNP)-Betrug (wenn die physische Karte nicht benötigt wird, um Einkäufe zu tätigen) belief sich laut dem Analyseunternehmen FICOim Jahr 2024 in Großbritannien auf rund 400 Millionen Pfund. Der Löwenanteil dieses Betrugs stammt aus Social Engineering, Datenkompromittierung und Betrug.
- Während man beim kontaktlosen Bezahlen mit dem Smartphone nicht einmal mehr seine RFID-fähige Zahlungskarte mitnehmen muss, konnten Angreifer in jüngster Zeit durch Angriffe auf Android-Geräte Zahlungsdaten stehlen.
- Phishing und Social Engineering sind nach wie vor die Hauptursache für CNP-Betrug und Kontoübernahmen. Der bereits zitierte Bericht von 2025 UK Finance berichtet, dass 70 % der APP-Betrügereien (Authorized Push Payment) online beginnen.
Kurz gesagt, Betrug durch einen Angreifer, der eine RFID-Zahlungskarte abschöpft, ist ein Einzelfall in einem Meer von weitaus häufigeren Cyberangriffen, die auf weit weniger gut geschützte Teile der Zahlungsinfrastruktur abzielen - die tatsächlichen Benutzer und die von ihnen verwendeten Geräte. Da kontaktlose Debit- und Kreditkarten eine starke Verschlüsselung in Form von Kryptogrammen verwenden, ist eine Kompromittierung dieser Karten durch RFID-Skimming derzeit schwierig und grenzt an ein Ding der Unmöglichkeit. Natürlich können sich die Umstände ändern, aber eine größere und aktuellere Bedrohung für die Bankkonten der Verbraucher sind andere Formen des physischen, Cyber- und Social-Engineering-Betrugs.
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RFID-Skimming kommt nur äußerst selten vor. Online-Betrug, unsichere Banking-Sitzungen und gefälschte Webseiten dagegen täglich. ESET HOME Security Premium schützt Finanzaktivitäten auf unterschiedlichen Geräten und bietet dort zusätzliche Sicherheit, wo sie wirklich gebraucht wird.
Wie Sie sich schützen können - eine praktische Checkliste
- Aktivieren Sie Transaktionsbenachrichtigungen in Ihrer Banking-App, um sofort über jede Kartenaktivität informiert zu werden.
- Nutzen Sie virtuelle Kreditkartennummern, sofern Ihre Bank diese anbietet. Alternativ können temporäre virtuelle Karten sinnvoll sein.
- Kontrollieren Sie regelmäßig Ihre Kontoauszüge und melden Sie verdächtige Buchungen sofort Ihrer Bank.
- Verwenden Sie starke, einzigartige Passwörter und Zwei-Faktor-Authentifizierung für Banking-Apps – idealerweise per Authenticator-App statt SMS.
- Seien Sie misstrauisch bei angeblichen Bankanrufen oder Nachrichten. Vishing zählt zu den wichtigsten Ursachen für APP-Betrug.
- Nach bekannten Datenlecks kann eine Kreditsperre sinnvoll sein, sofern dies im jeweiligen Land möglich ist.
ESET-Expertentipp
RFID-Technologien übertragen häufig sensible Daten und Zahlungsinformationen und sind deshalb ein attraktives Ziel für Cyberkriminelle. Besonders NFC, die RFID-basierte Technologie hinter kontaktlosen Zahlungen, steht im Fokus. Seit 2024 beobachten wir verstärkt Kampagnen, die ausgefeiltes Social Engineering mit Malware kombinieren, die wir NGate nennen. Die Schadsoftware kann NFC-Datenverkehr abfangen und erneut übertragen. Dadurch können Angreifer sensible Informationen stehlen und unautorisierte Bargeldabhebungen oder Überweisungen durchführen.
Inzwischen umfassen diese Angriffe zusätzlich den Diebstahl von Kontakten, das Sammeln weiterer sensibler Daten und sogar den Fernzugriff auf kompromittierte Geräte. Die Täter nutzen außerdem Methoden zur Umgehung biometrischer Prüfungen, was die Erkennung selbst für erfahrene Nutzer erschwert. Die Cybersicherheitsbranche, Banken und Kartenanbieter reagieren bereits darauf. Dennoch bleibt die Sensibilisierung der Nutzer entscheidend. Apps sollten ausschließlich aus offiziellen Quellen installiert und Berechtigungen sorgfältig geprüft werden. Wir gehen davon aus, dass das Interesse an Angriffen auf NFC-Technologien auch 2026 weiter steigen wird – entweder über NGate oder ähnliche Malware-Familien sowie durch neue Taktiken anderer Cybercrime-Gruppen.
- Lukáš Štefanko, ESET Senior Malware-Forscher
Das Fazit: Sollten Sie in RFID-Blockierung investieren?
Für kontaktlose Zahlungskarten eher nicht. Moderne Karten verfügen bereits über ausgefeilte Sicherheitsmechanismen, und Cyberkriminelle konzentrieren sich auf deutlich lukrativere Betrugsformen.
Anders sieht es bei anderen RFID-Anwendungen aus. Besonders bei Autoschlüsseln oder Zutrittssystemen ohne starke kryptografische Schutzmechanismen kann RFID-Blocking sinnvoll sein. Trotzdem gilt: Wenn ein RFID-Blocking-Produkt günstig ist und ein besseres Sicherheitsgefühl vermittelt, spricht wenig dagegen. Es sollte aber niemals grundlegende Sicherheitsmaßnahmen ersetzen. Oder anders formuliert: Heute lässt sich ein Auto tatsächlich „downloaden“.
Häufig gestellte Fragen
Kann meine Debit- oder Kreditkarte gescannt werden, während sie sich in meiner Brieftasche befindet?
Theoretisch ja. Praktisch ist daraus resultierender Betrug jedoch äußerst unwahrscheinlich. Moderne Karten übertragen nur begrenzte Daten über sehr kurze Distanzen. Jede Zahlung verwendet ein einmaliges Kryptogramm.
Brauche ich wirklich eine Brieftasche mit RFID-Sperre?
Für Bankkarten vermutlich nicht. Wer sich damit sicherer fühlt, kann trotzdem dazu greifen. Wichtiger bleiben sichere Banking-Gewohnheiten und Schutz vor Phishing.
Verfügt meine Kreditkarte über einen RFID-Chip?
Die meisten Karten der vergangenen zehn Jahre schon. Achten Sie auf das Kontaktlos-Symbol mit den vier gebogenen Linien.
Welche Materialien blockieren RFID-Signale?
Leitfähige Materialien wie Aluminium, Kupfer, Edelstahl oder Carbon blockieren RFID-Signale zuverlässig – vorausgesetzt, das Gerät wird vollständig umschlossen.
Ist das Sperren von RFID dasselbe wie das Sperren von NFC?
Ja, praktisch schon. Beide Technologien arbeiten mit 13,56 MHz. Produkte für RFID- oder NFC-Blocking funktionieren daher meist identisch.
Kann Aluminium oder Küchenfolie RFID blockieren?
Ja. Mehrlagige Alufolie verhindert in der Regel das Auslesen per RFID-Reader. Für den Alltag ist das allerdings wenig praktikabel.
Welche Daten werden von einer RFID-Bankkarte übertragen?
Unter Umständen lassen sich Kartennummer und Ablaufdatum auslesen. CVV/CVC-Code und PIN werden dagegen nicht übertragen. Stattdessen nutzt die Karte für jede Zahlung ein einmaliges Kryptogramm, das sich nicht wiederverwenden lässt.





